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21.05.2012

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Ausland
Afghanistan: Zahl der getöteten Zivilisten nimmt weiter zu
Zahl nimmt seit fünf Jahren zu

Getötete Zivilisten in Afghanistan auf Rekordstand

3021 Zivilisten wurden im vergangenen Jahr in Afghanistan bei Anschlägen und Kämpfen getötet. Diese Bilanz veröffentlichte die UN-Mission in Afghanistan (UNAMA). Seit fünf Jahren steigt die Zahl der zivilen Toten stetig. So wurden 2010 insgesamt 2790 Menschen und vor drei Jahren 2412 Zivilisten getötet. Seit 2007, so konstatiert UNAMA, summiere sich die Zahl auf 11.864 Menschen.

"Viel zu lange haben afghanische Zivilisten den höchsten Preis des Krieges gezahlt", stellte der UN-Sondergesandte für Afghanistan, Ján Kubiš, angesichts der Zahlen fest. Er appellierte an die Konfliktparteien, Zivilisten zu schonen.

In Laschkargah, in der Provinz Helmand, werden nach einem Bombenanschlag Verletzte abtransportiert. (Foto: dpa) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Die Zahl der tödlichen Selbstmordanschläge nahm in Afghanistan zu. ]
Die Hauptschuld für die blutige Bilanz schreibt der Bericht Aufständischen der verschiedenen Fraktionen zu. 2332 Tote oder 77 Prozent der Gesamtzahl hätten Taliban und andere regierungsfeindliche Gruppen zu verantworten. Die meisten Opfer (967 Menschen oder 32 Prozent) starben demnach in Sprengfallen. Bei Selbstmordanschlägen wurden 450 Kinder, Frauen und Männer getötet. Vor allem bei den Selbstmordanschlägen verzeichnete die UNO im Vergleich zum Jahr 2010 einen Anstieg um 80 Prozent. Die Aufständischen töteten aber auch gezielt: Landesweit wurden 495 Mitarbeiter von Behörden und Institutionen oder bestimmte Stammesführer ermordet.

Offenbarung der Sicherheitslage

Die UNAMA-Bilanz offenbart die Sicherheitslage in Afghanistan: Neben der seit Jahren steigenden Zahl ziviler Opfer übt der Bericht Kritik an der afghanischen Polizei. Es gebe viele Berichte, dass Straftäter als Polizisten rekrutiert würden und in einigen Bezirken Mängel in Ausbildung, Kontrolle und Kommando der lokalen Polizei bestünden. Menschenrechtsverletzungen durch Polizisten seien in mehreren Bezirken im ganzen Land dokumentiert.

Deutlich gestiegen ist dem Bericht zufolge auch die Zahl der Afghanen, die wegen des Konflikts gezwungen waren, ihre Häuser zu verlassen. 2011 waren in dem Land demnach schätzungsweise mehr als 185.632 Menschen auf der Flucht - 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

NATO will 2013 Sicherheitsverantwortung komplett abgeben

Trotz der wenig überraschenden UNAMA-Bilanz hatte die NATO erst vor zwei Tagen bei dem Treffen ihrer Verteidigungsminister die Abzugspläne für Afghanistan bekräftigt. Im Laufe des Jahres 2013 - zwölf Jahre nach dem Einmarsch - will das Militärbündnis die schrittweise Übergabe der Sicherheitsverantwortung an Afghanistan abschließen und sich bis Ende 2014 aus dem Kampfeinsatz zurückziehen. Frankreich will diesen Schritt schon im kommenden Jahr gehen und auch die USA streben ein vorzeitiges Ende ihres Kampfeinsatzes in Afghanistan an.

Zahl der zivilen Militäropfer rückläufig

Der UNAMA-Bericht bescheinigt der NATO-geführten Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) und der afghanischen Armee aber auch Positives. So sei die Zahl der durch Militäreinsätze getöteten Zivilisten um vier Prozent auf 410 Menschen (oder 14 Prozent aller Opfer) zurückgegangen. Bei nächtlichen Razzien etwa wurden demnach 63 Zivilisten im vergangenen Jahr getötet - ein Minus von 22 Prozent im Vergleich zu 2010. Zugleich beobachtete die UNO einen Anstieg der zivilen Toten bei Luftangriffen. 187 Menschen starben dabei, was einer Zunahme von neun Prozent entspricht.

Für die Koalitionstruppen war 2011 mit 544 Toten das Jahr mit den zweithöchsten Verlusten seit dem Einmarsch in Afghanistan im Jahr 2001.

Audio: Zahl getöteter Zivilisten in Afghanistan auf Rekordniveau

AudioKai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi 04.02.2012 15:32 | 1'49
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Stand: 04.02.2012 16:17 Uhr
 

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