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So haben selbst viele Einwohner Rom noch nie gesehen: In Weiß, schneebedeckt. Busse fahren gar nicht mehr, der Bürgermeister riet den Römern, zu Hause zu bleiben. Stattdessen herrscht am Circus Maximus Volksfeststimmung - mit Snowboards und Schlitten. Außerhalb Roms herrscht allerdings Chaos.
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
[Bildunterschrift: Das Kolosseum in Rom im Winterkleid. ]
Der Winter hat Italien fest im Griff. Im Norden des Landes registriert man historische Tiefststände bei den Temperaturen. In Rom schießt man historische Fotos. Denn so etwas haben die Römer seit 27 Jahren nicht mehr gesehen. "Wunderschön, das Kolosseum in weiß", sagt Marco, der sich genauso wenig wie viele andere an die Anweisung des Bürgermeisters gehalten, möglichst das Haus nicht zu verlassen.
"Man geht ins Zentrum und sieht sich seine Stadt an, die man so noch nie gesehen hat", sagt Alessandro. Der junge Mann hat sich mit Freundin und Hund auf den Weg zum Kolosseum gemacht. Natürlich zu Fuß. Denn das ist die einzige Fortbewegungsart, die wirklich funktioniert.
Die Taxis brauchen Schneeketten, die Busse sind gleich im Depot geblieben und die Metro ist überfüllt. Rom im Ausnahmezustand. "Wir sind doch darauf nicht vorbereitet. Das ist so ungewöhnlich. Und wir haben auch ein bisschen Angst. Deshalb spricht man von einem 'Notstand' und trifft drastische Maßnahmen. Zum Glück ist Wochenende."
Ein paar Schritte weiter am Circus Maximus begegnen einem die ersten Wintersportler, mit Snowboard unterm Arm. Die ehemaligen Tribünen des Zirkus dienen als Ski- und Rodelpisten. Wobei Schlitten anscheinend Seltenheitswert haben in der ewigen Stadt. "Wir nehmen den Sonnenschutz von unserem Auto als Untersatz", erzählt dieser Mann. "Unser Schlitten steht im Keller. Jetzt müssen wir das nehmen, was wir zur Hand haben."
Am Circus Maximus herrscht Volksfeststimmung. Man blickt auf den tief verschneiten Palatinshügel und sieht am Horizont den Petersdom mit einer weißen Mütze. Die Römer scheinen trotz des Chaos den ungewöhnlichen Wintereinbruch zu genießen - zumindest am Wochenende. "Alle sind auf der Straße, in den Bars", sagt eine Frau. "Alle sind draußen, reden miteinander, das ist doch wunderbar."
Außerhalb Roms wird aus dem Wintervergnügen vielerorts ein echter Albtraum: Vor allem in den Bergen in der Toskana, im Latium und den Abruzzen sind viele Ortschaften isoliert. Es gibt keinen Strom, Telefone funktionieren nicht. Viele Züge sind durch Schneemassen blockiert - und mit ihnen die Fahrgäste, die viele Stunden in den Waggons verbringen müssen.
Gaetano Assenzi wurde von dem Wintereinbruch im Auto auf der Straße überrascht und sitzt nun in einem Ort namens Carsoli in den Abruzzen fest. "Ich habe zwanzig Autobusse gezählt, die praktisch voll waren, dazu etliche Autos. Wir alle sind jetzt in Carsoli. Manchmal hört man, wir können jetzt nach L'Aquila weiter, dann heißt es, wir müssen nach Rom zurück. Totales Chaos und keine Informationen!"
Auch in Italien forderte der heftige Wintereinbruch bereits Todesopfer. Und am Freitagabend kam es zudem zu einer Beinahe-Katastrophe: wieder ein Schiffbruch an der Westküste Italiens - nur drei Wochen nach der Havarie der Costa Concordia. "Es wehte ein heftiger Nordwind, mit Böen von bis zu 85 Stundenkilometern", sagt Filippo Marini von der Küstenwache. "Als die Fähre 'Sharden' aus dem Hafen von Civitavecchia ausfuhr, wurde sie gegen die Kaimauer gedrückt und dabei auf einer Länge von 30 Metern aufgerissen."
Die Fähre, die eigentlich Sardinien ansteuern sollte, hatte 300 Menschen an Bord und wurde mit Hilfe von zwei Schleppern in Sicherheit gebracht. Verletzt wurde niemand.
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