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Schon vor dem Gewinn des Wirtschaftsnobelpreises war der Ökonom Krugman in den USA sehr bekannt. Er engagierte sich im Wahlkampf von Ex-Präsident Clinton, attackierte die Bush-Regierung und schrieb provokante Zeitungskolumnen.
Von Lena Bodewein, ARD-Hörfunkstudio New York
[Bildunterschrift: Paul Krugman war bereits vor der Auszeichnung mit dem Nobelpreis ein sehr bekannter Ökonom. ]
"Heute Morgen ist mir was ganz Komisches passiert." So beiläufig und knapp schreibt Paul Krugman es um 20 vor acht in seinem Blog der "New York Times". Ein Link führt auf die Website des Nobelpreises. Deren Schlagzeile verkündet, dass Krugman ausgezeichnet wird für seine "Analyse von Handelsmustern und die Zuordnung wirtschaftlicher Aktivität", für seine Theorien über Freihandel und Globalisierung. Darunter zeigt ein Foto einen Mann in Pulli und Hemdkragen, freundlich aus braunen Augen hinter seiner Zeitung hervorblickend, wie ein George Clooney mit Vollbart.
Eine Radiomoderatorin stellt ihn vor, als Kolumnisten der "New York Times" und Wirtschaftsprofessor in Princeton. Ob Radio, Fernsehen oder Zeitungen, der 55-Jährige war schon vor dieser Auszeichnung sehr präsent - in Blogs, Interviews oder seinen Büchern. Der Wirtschaftswissenschaftler gilt als links. Und findet gern klare Worte. "Meine Frau und ich hätten mehr Geld, wenn wir das komplette Vermögen meiner Schwiegermutter stehlen würden und sie verhungern ließen", sagte er 2005 zu einer möglichen Änderung der Sozialversicherungsabgaben.
[Bildunterschrift: Paul Krugman erhält den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaft. ]
Dass die Regierung ihren 700-Milliarden-Dollar-Plan womöglich doch darauf ausrichtet, direkt Anteile an Banken zu kaufen, hatte er schon vorher vorgeschlagen. "Ich beanspruche keine besondere Einsicht, eine ganze Reihe von Wirtschaftlern ist zu demselben Schluss gekommen", sagt er. "Mich verblüfft dabei nur, wie das Finanzministerium daneben gehauen hat - mal wieder. Es wird höchste Zeit für ein neues Management."
Die Bush-Regierung ist ein bevorzugtes Ziel seiner Kritik. Gerne greift der gebürtige New Yorker in seinen Kolumnen den marktwirtschaftlichen Kurs der Republikaner an. "Seit den Siebzigerjahren hat sich die Konservative Bewegung der Republikaner systematisch daran gemacht, alles abzubauen, was Roosevelt in seinem New Deal eingerichtet hat, um eine gerechtere Gesellschaft zu erreichen."
[Bildunterschrift: Krugman beriet auch den früheren US-Präsidenten Bill Clinton im Wahlkampf. ]
Immer wieder hat Krugman sich selbst in der Politik engagiert. Er beriet den späteren US-Präsidenten Bill Clinton in seinem Wahlkampf. Schon vor einigen Jahren hat er eine Reform des Weltfinanzsystems angemahnt und vor neuen Krisen gewarnt.
Seit längerem wurde der Begründer der sogenannten neuen ökonomischen Geographie als Anwärter auf den Nobelpreis gehandelt. In diesen Forschungen untersucht er, warum in einigen Regionen starke wirtschaftliche Aktivität herrscht, während sie in anderen abnimmt.
Krugman sagte in einer telefonischen Pressekonferenz, er sei tief bewegt. Er hoffe aber, dass die Auszeichnung sein Leben nicht völlig verändere. Er wolle nicht zu so vielen Feierlichkeiten gehen müssen, außer zur Verleihung selbst. Und dann wollte er erst mal einen Kaffee.