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Etwa 200 Würdenträger der katholischen Kirche diskutieren ab heute in Rom über Maßnahmen, wie sexueller Missbrauch verhindert werden kann. Zum Auftakt forderte der Papst eine "tiefgehende Erneuerung" der Kirche sowie effektiven Schutz der Opfer. Kritiker sprechen dagegen von einer "sinnlosen PR-Aktion".
Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom
Vor ziemlich genau zwei Jahren gab es die ersten Meldungen: Missbrauch am Berliner Canisius Kolleg, Gewaltexzesse im Kloster Ettal. Priester, die sich über Jahre an Jugendlichen vergehen. Die katholische Kirche erlebte nicht nur in Deutschland eine der schwersten Krisen ihrer Geschichte. Der Papst schwieg lange, schrieb dann einen scharfen Brief an die Irische Kirche, in der der Kindesmissbrauch durch Priester besonders weit verbreitet war. Einige Bischöfe mussten in der Folge der Enthüllungen ihr Amt aufgeben.
Heute scheint Gras über die Sache gewachsen und für die Kirche das Schlimmste überstanden. Nicht so für Marie Collins. Die Irin war als Zwölfjährige bei einem Krankenhausaufenthalt von einem Seelsorger missbraucht worden: "Ich war vollkommen schockiert, dass er mich berührte. Als er damit anfing, wollte ich ihn abhalten. Aber er sagte: Sei nicht albern, ich mache nichts Falsches. Und ich dachte, dann ist etwas falsch mit mir, weil er ja Priester war."
[Bildunterschrift: Kloster Ettal - auch hier gab es Gewaltexzesse ]
Marie Collins wurde ein zweites Mal von ihrer Kirche enttäuscht. Das war, als sie anfing, den Missbrauch öffentlich zu machen und den Täter zu stellen. Anders als damals werden ihr die ab heute in Rom versammelten Bischöfe und Ordensoberen gut zuhören. Der Bericht von Marie Collins ist einer der zentralen Punkte der Tagung, die an der päpstlichen Hochschule Gregoriana stattfindet.
Einer der Organisatoren ist der deutsche Jesuit Hans Zollner, Psychologie-Professor an der Gregoriana: "Wir sind uns bewusst, dass da sehr viel falsch gelaufen ist und dass sehr viel Schuld geschehen ist, auch durch Verantwortungsträger und dass in der Zukunft alles getan werden soll und muss, damit so wenig Missbrauch wie möglich geschehen kann."
Zwei Jahre sind seit der großen Enthüllungswelle vergangen, und die Fälle, um die es damals ging, lagen teilweise Jahrzehnte zurück. Und dennoch sieht sich die katholische Kirche immer noch "auf dem Weg zur Heilung und Erneuerung", so der offizielle Titel der Tagung. Man will, so Hans Zollner in "Radio Vatikan", damit vor allem ein Signal nach innen, in die Kirche senden: "Uns geht es auch und vor allem um Prävention. Wir wollen Missbrauch in Zukunft verhindern. Es wird niemals ganz auszurotten sein, weder in der Kirche, noch in der Gesellschaft. Aber wir wollen alle Kräfte in der Kirche konzentrieren, damit man in dieser Richtung arbeiten kann."
Die Glaubenskongregation (im Vatikan zuständig für das Thema Missbrauch) unterstützt den Kongress an der Gregoriana. Bis spätestens Mai müssen alle Bischofskonferenzen Richtlinien vorlegen. Richtlinien für die Ahndung und Prävention von Missbrauch. In vielen Kirchen gibt es offenbar noch immer gewisse Widerstände sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die italienische Bischofskonferenz zum Beispiel hat bislang noch keine Richtlinien erarbeitet.
Charles Scicluna ist der Chefankläger der Glaubenskongregation. Er erwartet nach der Tagung in Rom deutliche Fortschritte: Viele warten den Ausgang dieses Symposiums ab, um dann zu Hause mit den neuen Informationen die Arbeiten an den Richtlinien abzuschließen, mit denen viele schon begonnen haben.
Die deutsche Bischofskonferenz hat eine Vorreiterrolle. Sie hat bereits 2002 entsprechende Richtlinien verabschiedet, die 2010 noch einmal überarbeitet wurden. In Deutschland gibt es nach den Erfahrungen des Jahres 2010 einen eigenen kirchlichen Missbrauchsbeauftragten, den Trierer Bischof Stephan Ackermann. Er wird genauso wie der Münchner Kardinal Reinhard Marx an der Tagung in Rom teilnehmen.
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