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Sarah Palin war eines der spektakulärsten Phänomene des US-Wahlkampfs. Von den einen wurde sie als "hockey mum" heiß geliebt - von den anderen verlacht. Viele Republikaner geben ihr zwar eine Mitschuld an der Wahlpleite - ihre Karriere könnte trotzdem weitergehen.
Von Rüdiger Paulert, WDR-Hörfunkstudio Washington
Am Tag nach der Wahl kehrte die Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, mit ihrer gesamten Entourage wieder in ihre Heimat zurück. In ihrem Gepäck: die schwere Niederlage des Teams McCain/Palin. Auf dem Flughafen in Anchorage sagte sie den wartenden Journalisten: "Ich komme zurück mit ein bisschen Enttäuschung über die Medien, nehmt das nicht persönlich. Ihr habt auch ein dickes Fell, oder ihr müsst eins bekommen."
Schneller als ihr Rückflug war die Kritik an der Vizepräsidentenkandidatin. Selbst der erzkonservative Sender Fox News, stets Befürworter der Regierung Bush, reihte sich in den Kreis der Kritiker ein. Chefkorrespondent Carl Cameron erzählte, was er über Palin gehört hatte: "Sie kannte die Staaten nicht, die zur Nordamerikanischen Freihandelszone zählen. Sie wusste auch nicht, dass Afrika ein Kontinent ist und nicht ein Land und fragte sogar nach, ob Südafrika nicht ein Teil des Staates Afrika sei?"
Ihre Antwort auf diese Gerüchte: "Bis ich nicht weiß, wer diese anonymen Anschuldigungen gegen mich vorgebracht hat, äußere ich mich nicht."
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Doch man muss nicht auf Gerüchte über Palin vertrauen, um ihre Sachkenntnisse bewerten zu können. Sie könne von Alaska nach Russland schauen, hatte sie gesagt - als Versuch, ihre außenpolitischen Kenntnisse aufzuwerten. In der Sache war dies Blödsinn, und geografisch Quatsch; denn die Behringstrasse ist an der schmalsten Stelle 101 Kilometer breit.
In Interviews gab sie sich zudem eine Blöße nach der anderen: Sie konnte nicht ein Nachrichtenmagazin auflisten, als sie danach gefragt wurde und fiel auf ein Interview eines Radiosenders herein, in dem sich der Moderator als der französische Präsident Sarkozy ausgab. Kurz: ihr unbeschreiblicher Ehrgeiz wird durch Sachkenntnis nicht unterstützt.
Und dann ist da die andere Sarah Palin, die "hockey mom", eine von uns, wie sie sich zu geben versucht: Diese Sarah Palin füllte für die Republikaner Säle und Stadien, John McCain war das nie gelungen. Zusätzlich mobilisierte sie mit ihrer erzkonservativen Position zur Abtreibungsfrage die religiöse Rechte in den Vereinigten Staaten.
Neben Unkenntnis in Sachfragen aber bewies sie auch Unkenntnis in Stil-Fragen: "Haben sie wirklich keine Probleme damit, dass sie 150.000 Dollar für Kleidung im Wahlkampf ausgegeben haben“, wurde sie gefragt. Die Frage beantwortete sie nicht sondern konterte mit dem Vorwurf, dass in Washington immer mit zweierlei Maß gemessen werde. Auch die Frage, ob es nicht merkwürdig sei, dass Ihr Mann Todd sich in ihrem Gouverneursbüro um die Kündigung des Polizeichefs kümmerte, gab sie vor, nicht zu verstehen. Selbst konservative Kommentatoren hatten ihr da den Rücktritt nahegelegt, um McCain nicht weiter zu schaden.
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Sie wies dies zurück und hat nun eine Reihe von Optionen. Die allerdings unterstreichen nicht ihre Qualität, sondern spiegeln die verzweifelte Lage der republikanischen Partei nach acht Jahren Bush-Regierung wieder: Da könnte schon bald ein Sitz für Alaska im Senat frei werden. Einer der beiden Senatoren für Alaska, Ted Stevens, ist wegen Vorteilsnahme verurteilt. Er hat allerdings Berufung gegen das Urteil eingelegt. Dieses Mandat könnte unter Umständen die Gouverneurin Sarah Palin übergansweise bis zur Neuwahl einnehmen und nach Washington gehen.
Andere handeln Palin bereits als Präsidentschaftskandidatin für 2012. Zumindest öffentlich hat sie dies auf einer Wahlkampftour in einer Werkstatt zurückgewiesen: "Ich kann mir nicht vorstellen für das Präsidentenamt in 2012 zu kandidieren."
Und dann gibt es da noch den Vorsitz der republikanischen Partei. Gegenwärtig vom unauffälligen Mike Duncan bekleidet. Hierzu hat sich Palin noch nicht geäußert. Sie sagt stattdessen: "Ich bleibe für immer die Sarah aus Alaska."
Und am besten bleibt sie auch dort, wünscht die wachsende Zahl ihrer Kritiker, während ihre Fans es kaum abwarten können, sie in einer neuen Rolle zu sehen.
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