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Für den 72-jährigen McCain scheint sie die ideale Vize-Kandidatin zu sein: Sarah Palin ist 44, Mutter von fünf Kindern und von stramm konservativer Gesinnung. Doch es gibt auch Kritik an der bislang recht unbekannten Vorzeigefrau.
Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington
[Bildunterschrift: Alaskas Gouverneurin Palin auf dem Weg ins Weiße Haus? ]
Nichts wird im Leben der Sarah Palin mehr so sein, wie es einmal war. In den nächsten Wochen wird sie quer durch die Vereinigten Staaten reisen und nur noch ein Thema kennen: Wahlkampf. Um die fünf Kinder - das jüngste, das im vergangenen April geboren wurde, ist behindert - wird sich dann vor allem ihr Mann kümmern. Er ist von Beruf Fischer und arbeitet zeitweise in der Ölproduktion.
Sarah Palin ist ein ganz anderer Typ von Politikerin, so wie man sie in Washington nicht kennt. Engagiert, unkompliziert, ehrlich – aber das immer mit einer eindeutigen Meinung. So beschreiben die Gouverneurin Politiker, die sie gut kennen. Und selbst Beth Kartula, die demokratische Oppositionsführerin im Abgeordnetenhaus von Alaska, äußert sich wohlwollend über den Regierungsstil von Palin: "Es ist wunderbar eine Frau in dieser Position zu haben. Sie hat ein Baby, fünf Kinder, eine Familie – und trotzdem ist sie in einer Führungsposition."
[Bildunterschrift: Palin symbolisiert als Mutter von fünf Kindern und mit ihren traditionellen Überzeugungen das ideale Frauenbild der Republikaner. ]
Aus der Sicht von John McCain war die Nominierung der 44-jährigen Gouverneurin ein geschickter Schachzug. Drei Gründe gab es für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten sich für Sahra Palin zu entscheiden. Erstens gehört sie in gesellschaftspolitischen Fragen in der republikanischen Partei eher zum rechten Flügel. Vor allem die Unterbrechung von Schwangerschaften und die Ehe gleichgeschlechtlicher Partner lehnt sie strikt ab. Das könnte konservative Republikaner beruhigen, die McCain nicht so recht trauen, weil er in seiner Vergangenheit als Senator immer wieder auch mit eher liberalen Meinungen aufgefallen ist. Zweitens, die Gouverneurin kann als Frau vielleicht die Wählerinnen gewinnen, die eigentlich für Hillary Clinton stimmen wollten, aber von Barack Obama nicht begeistert sind. Außerdem gehört sie mit 44 Jahren im Washingtoner-Politikbetrieb eher zu den jüngern und ist damit ein gutes Gegengewicht zum 72jährigen John McCain.
Und der Präsidentschaftskandidat selbst lobt seine Kandidatin. Vor allem, weil sie in Alaska frischen Wind in die Politik gebracht habe. Engagiert sei sie dort dem Einfluss von Lobbyisten entgegen-getreten. Sie habe in Alaska Ölkonzerne, Parteibosse und Bürokraten bekämpft, lauter Leute, die ihre eigenen Interessen vor die Interessen der Allgemeinheit gestellt hätten. Damit sei sie genau die Person, die er und das Land bräuchten.
[Bildunterschrift: Palin, hier beim Besuch eines US-Army-Trainingslagers, ist Mitglied der Waffenlobby-Organisation NRA. ]
In der republikanischen Partei wurde die Ernennung von Palin zur Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin durchaus positiv aufgenommen. Allerdings gab es an der Entscheidung auch Kritik in allen Parteien. Die Gouverneurin sei für den Posten viel zu unerfahren, hieß es. In ihrer politischen Laufbahn sei sie bisher aus Alaska nicht herausgekommen. In nationaler und internationaler Politik sei sie ein unbeschriebenes Blatt. Und als Horrorvision wird für den Fall der Wahl von McCain/Palin schon an die Wand gemalt: Was ist, wenn John McCain als möglicher Präsident vorzeitig aus dem Amt scheiden müsste – dann wäre sie Präsidentin. Eine Präsidentin für die Washington und die weite Welt zur Zeit noch absolutes Neuland sind.
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