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30.07.2010

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Wirtschaft
Spitzelaffäre bei Deutscher Bank weitet sich aus
Aufsichtsrat von Detektei ausgekundschaftet

Spitzelaffäre bei Deutscher Bank weitet sich aus

Fensterputzer an der Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Über die Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Bank sind neue Details bekannt geworden. ]
Die Vorwürfe in der Spitzelaffäre bei der Deutschen Bank weiten sich aus. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, die Bank habe den ehemaligen Gewerkschaftsvertreter von ver.di in ihrem Aufsichtsrat, Gerald Herrmann, von einer externen Detektei bespitzeln lassen. Das gehe aus dem internen Prüfbericht einer Anwaltskanzlei hervor, der der Bank seit Ende vergangener Woche vorliege.

Herrmann bestätigte dem "Handelsblatt", dass er ausgespäht worden sei. Die Deutsche Bank habe ihn aber erst vor wenigen Tagen darüber informiert, teilte die Zeitung mit. "Ich finde dieses Verhalten empörend, zwar hat sich das Unternehmen bei mir entschuldigt. Ich erwarte aber wenigstens eine persönliche Entschuldigung von Herrn Ackermann, der sich ja an die Spitze der Aufklärung stellen wollte", sagte er.

Bespitzelung als Reaktion auf Kritik?

Die heimlichen Vorwürfe der Deutschen Bank, er habe der Presse 2001 Geschäftszahlen des dritten Quartals zugespielt, hätten sich als völlig unbegründet erwiesen. Das habe ihm die Deutsche Bank versichert, als sie ihn über die Bespitzelung informiert habe. "Die haben mich verdächtigt, nur weil ich wiederholt öffentlich den massiven Stellenabbau des Kreditinstitutes kritisiert hatte, das damit sein hohes Renditeziel von 25 Prozent Eigenkapitalrendite sichern wollte", sagte er der Zeitung. Als dann einige Artikel die Geschäftszahlen und seine Kritik gemeinsam aufgegriffen hätten, hätte die Deutsche Bank ihn verdächtigt, aber nie befragt.

Laut "Spiegel" weitere Personen bespitzelt

Im Jahr 2006 seien außerdem Vorstände bespitzelt worden, denen Kontakte zu dem ehemaligen Medienunternehmer Leo Kirch nachgesagt worden seien, schrieb der "Spiegel" weiter. Auch der kritische Aktionär Michael Bohndorf, ein auf Ibiza lebender Rechtsanwalt, sei im Auftrag der Bank zudem beschattet worden. Die Detektive hätten dabei Bewegungsprofile erstellt. Zudem sei gezielt nach persönlichen Schwächen des Anteilseigners gesucht worden, auch mit dem Einsatz "weiblicher Lockvögel".

Die Betroffenen seien inzwischen von der Bank über die Maßnahmen informiert worden, schrieb der "Spiegel" weiter. Die Aufsichtsräte würden demnächst über die Ergebnisse der internen Prüfung unterrichtet. Die Deutsche Bank wollte den Bericht des "Spiegels" nicht kommentieren. Sie werde sich erst äußern, wenn der Bericht der Bundesanstalt für  Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorliege, sagte ein Sprecher.

Ackermann versprach vollständige Aufklärung

Josef Ackermann vor Logo der Deutschen Bank (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Deutsche-Bank-Chef Ackermann versprach vollständige Aufklärung. ]
Die Deutsche Bank war im Mai mit der Datenaffäre an die Öffentlichkeit gegangen und hatte mitgeteilt, die Unternehmensführung habe entsprechende Hinweise bekommen und eine Untersuchung eingeleitet. Eine externe Kanzlei werde die möglichen Verstöße prüfen. Zudem habe man die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin informiert, die eine eigene Untersuchung eingeleitet habe.

Auf der Hauptversammlung wenige Tage später hatte Vorstandschef Ackermann eine vollständige Aufklärung der Affäre zugesagt und erklärt, sein Institut verfolge hier eine "Null-Toleranz-Politik". Nach den bisher vorliegenden Fakten handele es sich um mögliche einzelne Verstöße, die schon einige Zeit zurücklägen. Ackermann versicherte zugleich, dass weder Kontendaten noch andere Kundeninformationen betroffen seien.

Stand: 04.07.2009 19:37 Uhr
 

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