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20.11.2008
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Wirtschaft
Auszubildende
"Lehrstellenlücke" geschlossen

Erstmals seit 2001 mehr Lehrstellen als Bewerber

Zum ersten Mal seit sieben Jahren gibt es zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres keine sogenannte Lehrstellenlücke. Ende September gab es rechnerisch 5000 Lehrstellen mehr als Bewerber, teilten Bundesagentur für Arbeit (BA), Bundesregierung und Spitzenverbände der Wirtschaft mit.

Lehrlinge bei DaimlerChrysler (Foto: AP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Der Trend auf dem Ausbildungsmarkt hat sich gedreht: Lehrlinge bei DaimlerChrysler ]
Insgesamt 14.500 unversorgten Bewerbern hätten 19.500 unbesetzten Lehrstellen gegenübergestanden. Im vorigen Jahr fehlten zu diesem Zeitpunkt noch 14.300 Plätze. Neben dem guten konjunkturellen Umfeld habe auch die sinkende Zahl der Schulabgänger zu der Entspannung des Ausbildungsmarktes beigetragen, sagte BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker. Allerdings gebe es regional weiterhin erhebliche Unterschiede.

Becker sagte, es gebe zwei Herausforderungen, die bewältigt werden müssten: Ein Drittel der Ost-Ausbildungsstellen sei außerbetrieblich. Zudem liege bei der Hälfte der Bewerber der Schulabgang schon über ein Jahr zurück. Die Zahl der Altbewerber habe sich aber um 64.000 verringert.

Bundesarbeitsminister Olaf Scholz dankte Industrie und Wirtschaft für ihre Bemühungen. Er forderte aber gleichzeitig, in den Anstrengungen nicht nachzulassen: "Ganz besonders viele Sorgen machen uns die Altbewerber."

Deutlich weniger Bewerber als im Vorjahr

Laut BA wurden von Oktober 2007 bis September 2008 den örtlichen Arbeitsagenturen 511.600 betriebliche und 78.900 außerbetriebliche Ausbildungsplätze gemeldet. Allein die Zahl der betrieblichen Lehrstellen sei damit um 10.400 gestiegen. Dem hätten 620.200 Bewerber gegenübergestanden, 113.800 weniger als im Vorjahr. Industrie, Handel und Handwerk sowie Freiberufler schlossen nach Verbandsangaben bis zum 30. September 539.560 Verträge ab, dies seien 9200 oder 1,7 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte, es gebe weiter zu wenige betriebliche Lehrstellen. Von den 620.200 Bewerbern seien 81.850 in sogenannte berufsvorbereitende Maßnahmen vermittelt worden. "Ein Plus von 10.400 betrieblichen Ausbildungsplätzen heißt nicht, dass das Problem generell gelöst ist", sagte DGB-Vize Ingrid Sehrbrock.

Partner ziehen positives Fazit des Ausbildungspakts

Die BA, Spitzenverbände und Bundesregierung zogen hingegen eine positive Bilanz des Ausbildungspakts. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sprach von einer sehr erfreulichen Zwischenbilanz. Es gebe aber immer noch zu viele Jugendliche, denen der Übergang in Ausbildung nicht oder nur sehr schwer gelinge. Größere Anstrengungen seien notwendig, um vor allem Jugendliche ausländischer Herkunft zu qualifizieren. Auch in den Schulen müsse mehr für die Berufsorientierung getan werden.

Ihre Zusagen im Ausbildungspakt mit der Regierung hat die Wirtschaft damit bereits übertroffen. Bislang habe sie in diesem Jahr 68.300 neue Ausbildungsplätze angeboten und 42.700 Betriebe neu für eine Ausbildung gewonnen. Zugesagt hat die Wirtschaft jährlich mindestens 60.000 neue Lehrstellen.

Angesichts des Fachkräftemangels sprachen sich die Partner des Ausbildungspaktes dafür aus, die Durchlässigkeit zwischen Betrieben und Ausbildung an den Hochschulen zu verbessern. So müssten beruflich Qualifizierte einen leichteren Zugang zu Hochschulen erhalten. Ein Teil der Berufserfahrung solle auf ein Studium angerechnet werden.

Stand: 13.10.2008 14:35 Uhr
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